„Vanilleeis schmeckt viel besser.“


Posted on Juni 19th, by Anika in Bücher, Doch Noch Blog, Printmedien. 2 comments

In Pornofilmen schlucken Frauen das Sperma. Immer und gerne. Aber Jungs, habt ihr euer Sperma schon mal probiert? Vanilleeis schmeckt besser.“ Eine Pornolüge also. Entlarvt vom Aufklärungsbuch „Make Love“. Die Autorinnen Ann-Marlene Henning und Tina Bremer-Olszewksi sagen, Sex sei überall. Und das Paradoxe daran: Trotz nackter Tatsachen in Fernsehen, Internet und auf Werbeplakaten, wächst das Wissen über Sex nicht. Durch die stete Verfügbarkeit entstehe zwar die Illusion, alles zu kennen und zu können. Aber, so argumentieren die Autorinnen, das hat nichts mit der Realität in deutschen Schlafzimmern zu tun.

Sex ist lernbar – wie ein Musikinstrument oder eine Fremdsprache.

Denn da sieht es offenbar ganz anders aus. Der selbst auferlegte Auftrag also: Von Sex berichten, wie er wirklich ist; für Jugendliche, die beginnen ihn zu haben – und also wahrscheinlich zwischen 15 und 17 Jahre alt sind. Ihre These dabei: Sex ist lernbar – wie ein Musikinstrument oder eine Fremdsprache. Ein gut gemeinter Vergleich. Er hat nur einen Haken: Musikinstrumente und Fremdsprachen lernen nicht alle Kinder. Es bedarf mindestens eines mittelmäßigen Talents und viel Fleiß um derlei Fertigkeiten gebrauchsfähig zu machen. Ist das bei Sex wirklich auch so? Außerdem sind Geigespielen und spanisch sprechen eher Disziplinen für Kinder aus sogenannten guten Verhältnissen. Also eben jenen, die eigentlich erst später Sex haben – und dabei auch noch richtig verhüten, das sagt zumindest eine in „Make Love“ abgebildete Statistik.

Und dennoch haben die Autorinnen wohl recht: Sex ist lernbar. Aber anders als die meisten Ratgeber seiner Art langweilt „Make Love“ die jungen Liebenden weder mit medizinisch korrekten Fachbegriffen („die Scheide und der Penis“) noch mit Kindersprache („Mama und Papa haben sich lieb“). Nein, es wird Klartext geredet: „Beginnen wir mit dem Lustzustand, man könnte das auch Geilheit nennen“, heißt es in der Einleitung. Es folgt eine kleine alphabetisch Nomenklatur der Geschlechtsteile: Muschi, Mumu, Möse (…) Puderdose, Wundertüte, Zwetschge und natürlich auch Glied, Gemächt, Pimmel (…) Glücksschlange, Paradiesschlüssel, Funkturm.

Unter dem Kapitel „Das erste Mal – jetzt geht’s los“ steht schließlich der Sextalk mit Mama oder Papa an. Es folgt eine kleine Typologie der Eltern. Es heißt, es sei manchen Eltern peinlich, über Sex zu reden. Da raten die Autorinnen dem jungen Leser ganz kollegial: „Bleib locker. Sei großzügig und verzeihe ihnen, wenn sie sich ungeschickt ausdrücken.“ Wiederum gebe es aber auch Eltern, die jede Gelegenheit nutzen um über das Thema zu reden – und das könne nerven.

Auch von den Pornolügen werden noch mehr aufgedeckt: „Witzig, dass Frauen alle immer sofort kommen“. Auch das ist natürlich Unsinn. Genauso wie die Ideen von Dr. John Harvey Kellogg (1852-1943). So erfährt der Leser in einer kurzen historischen Exkursion, der Erfinder von Kellogg’s Cornflakes habe Masturbation für gefährlich gehalten und befürwortete es, Kindern die Hände über der Bettdecke festzubinden. Und das obwohl Selbstbefriedigung prima ist, sagen die Autorinnen.

Sowieso gilt: „Dirty Talk und Fesselspiele? Anal? Sex zu dritt? „Wenn etwas toll ist: weitermachen!“ – oder sich trauen, „nein“ zu sagen. Man müsse ja auch nicht alles mögen.

Und wie jedes Aufklärungsbuch spiegelt „Make Love“ aktuelle gesellschaftliche Werte: Da lernt der jugendliche Leser, Sex macht man meistens mit jemandem, den man liebt, aber eben nicht immer. Sex geht auch ganz ohne Liebe. „Da macht es nichts, wenn der Partner nicht die größte Liebe aller Zeiten ist. Hauptsache der Trieb kann wunderbar ausgelebt werden.“ – eigentlich ja nicht ganz passend zum Titel: „Make Love.“

Und dennoch vergessen die Autorinnen zu keiner Zeit die Gefühlswelt der jungen Wilden: Nach Infos über Geschlechtskrankheiten und Verhütungstipps geht es zum Schluss um die Herausbildung der eigenen sexuellen Persönlichkeit – und die könne auch mal ganz anders sein, als das eigentliche Ich. „Vielleicht bist du eigentlich sehr schüchtern – aber im Bett eine wilde Sau“. Wichtig sei also zu fragen, wer bin ich wirklich? „Eine der spannendsten Fragen überhaupt. Manche Leute verbringen ihr ganzes Leben damit“. „Make Love“ verzichtet auf bunte Bilder betont lässiger Teenies mit Piercings und vermeintlich flotten Sprüchen, mit denen ähnliche Jugendratgeber versuchen, junge Menschen zur Lektüre zu animieren. Es ist ein cooles Aufklärungsbuch, weil es sich eben nicht krampfhaft bemüht, cool zu sein. Es ist witzig, hat Stil und ist auch etwas für Erwachsene. Und das Beste daran: Genau das könnte die sonst so ratgeberresistente U-20-Generation dazu bringen, es zu lesen – und vielleicht doch noch etwas über Sex zu lernen.

[quote style=“1″]„Make Love“ ist das wohl erste wirklich coole Aufklärungsbuch für Jugendliche.[/quote]

Katja Heise, Welt kompakt vom 19.06.2012

Quelle: http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_lifestyle/article106617803/Vanilleeis-schmeckt-viel-besser.html





2 thoughts on “„Vanilleeis schmeckt viel besser.“

  1. hallo liebes doch noch

    könnt ihr mal ein Thema über Sperma schlucken machen und die Nachteile

    ich bin männlich und möchte meinen Sperma kosten aber wie kann ich mich überwinden

  2. Willi das ist doch alles nur Kopfkino.

    Stell Dir vor es ist Kaviar – noch dazu Dein eigener. Und dann mache Dir klar, dass es sehr gesund ist, weil viele gute Sachen darin enthalten sind.

    Es gab in meinem Leben schon viele Lebensmittel die ich erst nicht mochte und sie dann ploetzlich doch entdeckte: Weinbergschnecken, Muscheln, Gaenseleberpastete… und Kaviar.

    Es gibt Laender z.B. in Asien wo man Wuermer und Insekten isst – so weit wuerde ich nicht gehen. Aber mein eigener Samen ist ohne Beigeschmack, ein bischen salzig – wirklich neutral, einfach koestlich.

    Probiere ihn vor Deiner Freundin, sag mmmmm lecker – ohne das Gesicht zu verziehen – dann ist der Bann gebrochen und sie will ihn auch.

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